Forschungsschwerpunkte

 

Begründung und Kritik von Normen in Ethik, Recht, Politik

Die Forschungen in diesem Schwerpunkt konzentrieren sich auf die theoretisch wie gesellschaftlich herausfordernde Aufgabe der Begründung und Kritik moralischer, rechtlicher und politischer Normen. Zentrale Forschungsthemen sind die Begründung von Urteilen über das Gute, das Gerechte und das Richtige sowohl in europäischen als auch in außereuropäischen Philosophiediskursen. Die Theoriebildung knüpft an klassische Theorien und deren aktuelle Fortschreibung in der Ethik, der politischen Philosophie und der Rechtsphilosophie an. Ziel ist eine Weiterentwicklung der theoretischen Grundlagen der Ethik unter besonderer Berücksichtigung der Handlungstheorie und der Entscheidungstheorie sowie die Weiterentwicklung der Grundlagenforschung in der Demokratietheorie und Institutionenethik. In der Angewandten Ethik sind Schwerpunkte die Medizinethik, Ethik des Alterns, Tierethik und Naturethik.

 

Theorien des Wissens, der Wissenschaften und der sozialen Welt

Dieser Forschungsschwerpunkt umfasst, in historischer und systematischer Perspektive, die Erkenntnistheorie und die Wissenschaftsphilosophie (einschließlich Philosophie der Mathematik und der Logik) sowie die Sozialontologie. Die historische Perspektive reicht von der Philosophie der Antike über Kant und die daran anknüpfende Wirkungsgeschichte bis in das 21. Jahrhundert. Eine wichtige Tradition der Wissenschaftsphilosophie ist dabei der Wiener Kreis und der Logische Empirismus inklusive seines Umfeldes. Eine Reihe von Forschungsvorhaben ist bestrebt, die verschiedenen Formen des Wissens gerade auch hinsichtlich ihres historischen, (inter‐)kulturellen, bildungsphilosophischen, sozialen und technologischen Charakters zu analysieren. Dies geschieht etwa im Sinne der „History and Philosophy of Science“, der Philosophie Wittgensteins, und der sozialen Erkenntnistheorie. Zu diesem Forschungsschwerpunkt gehören auch Untersuchungen zur Sozialontologie und zur Phänomenologie sozialer Welten.

 

Kunst–Körper–Kultur

Dieser Forschungsschwerpunkt umfasst, in historischer und systematischer Perspektive, Grundfragen der Ästhetik, der Kulturphilosophie, der Philosophie der Körperlichkeit und der Gewalt. Diese Themen sind in verschiedenster Hinsicht mit klassischen Themen der Erkenntnistheorie und Metaphysik verbunden.

Im Vordergrund stehen zudem Problemstellungen der Subjektivität, der Intersubjektivität und Alterität, Konzeptionen von Raum und Zeit, Sprachen des Körpers und der Gewalt sowie differenztheoretische Denkformationen vor allem in ihrer politischen Ausrichtung. Auch hier reicht die historische Perspektive bis in die Antike zurück. Besonders wichtig in diesen Themenzusammenhängen sind dabei Kant, der Deutsche Idealismus und seine Wirkungsgeschichte sowie eine Reihe von Traditionen des 20. Jahrhunderts und neuerer Forschungsansätze: Phänomenologie, Medien‐ und Technikphilosophie, Sprachphilosophie, Hermeneutik, Kritische Theorie, Poststrukturalismus, Dekonstruktion und die Interkulturelle Philosophie, jeweils flankiert von postkolonialen und kulturtheoretischen respektive kulturphilosophischen Diskursen.

 

Philosophie und Bildung in einer globalen Welt

Dieser Forschungsschwerpunkt widmet sich den Grundlagendebatten und Entwicklungsperspektiven, die unter den Bedingungen von Globalisierung und gesellschaftlichem wie kulturellem Wandel vor neuen Herausforderungen stehen. In systematischer wie historischer Perspektive geht es dabei um theoretische und empirische Forschungen, die sich in internationalen, inter‐ und transkulturellen sowie interdisziplinären Netzwerken und Kooperationen mit Universitäten in Europa, Asien, Afrika, Amerika und Australien widerspiegeln. Den Traditionen außereuropäischer Philosophie wird dabei besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Schwerpunktsetzungen bilden hierbei Frage‐ und Problemstellungen der Demokratie, der Öffentlichkeit, der Menschenrechte, der sozialen Vielfalt (Diversity), der Multikulturalität, der Medien, der Migration und Mobilität sowie der Gerechtigkeit in einem globalen Zusammenhang.Die wechselseitige Verzahnung von Philosophie und Bildungswissenschaft reflektiert hierbei kritisch die gesellschaftlichen Mainstreams, um anhand der konkreten Erforschung inner‐ und außereuropäischer Denktraditionen die ethischen und humanitären Fragestellungen unter den Bedingungen einer globalen Welt deutlicher hervortreten zu lassen. Zukunftsorientierte Denkansätze, die Kulturen, Wissenschaften und Lebenswelten miteinander verbinden und darin zugleich zu deren Entfaltung beitragen können, stellen den Rahmen dieses Forschungsschwerpunkts dar.

 

Bildungsräume

Der Forschungsschwerpunkt fokussiert auf die sozialen und kulturellen Kontexte von Bildungsprozessen und deren institutionelle und lebensweltliche Strukturiertheit.
Bildungsräume konstituieren sich im Rahmen formaler Regelungen und institutioneller Grenzen sowie durch alltagsweltliche Ordnungen und informelle Regeln. Sie zeichnen sich durch Normen und „belief systems“ aus, die von den professionellen und alltagsweltlichen AkteurInnen mehr oder weniger unhinterfragt als „soziale Tatsachen“ akzeptiert werden und Bildungspraxen beeinflussen. In diesem Sinn werden Bildungsräume in je konkreten historisch‐gesellschaftlichen, institutionellen, lebensweltlichen sowie in (trans‐)national und regional bestimmten Konstellationen untersucht. Forschungen beziehen sich auf die (vergleichende) Analyse der konkreten materiellen, sozialen, ideellen und medialen Beschaffenheit von Bildungsräumen. Neben der Beschreibung und Analyse von Bildungsräumen in Gesellschaften der Gegenwart interessieren sich Forschungen in diesem Schwerpunkt für die Entstehung und historische Entwicklung von Bildungsräumen (z. B. Unterricht oder Schulstrukturen unter verschiedenen gesellschaftlichen Bedingungen) ebenso wie für Beziehungen zwischen Bildungsräumen (z. B. Koordinationsprozesse im Rahmen eines föderalistischen Bildungssystems, Transfer bildungspolitischer Konzepte oder professioneller Praxen zwischenBildungsräumen).

 

Bildungswege

Der Forschungsschwerpunkt stellt den zeitlichen Verlaufscharakter von Bildung in den Mittelpunkt und thematisiert individuelle und kollektive Bildungsverläufe im Kontext differenzierter und differenzierender sozialer Verhältnisse (Herkunftsmilieu, Gender, Migration, Behinderung u. a.). Forschungen beziehen sich auf Bildungsprozesse in der zeitlichen Abfolge einzelner Lebensphasen (Bildung in Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter) und institutionell vorgegebener Curricula unter besonderer Berücksichtigung von Übergängen (transitions) zwischen Bildungsinstitutionen und ‐phasen im Bildungsverlauf (Kinderkrippe, Kindergarten, Schule, Hochschule, Beruf, Aus‐ und Weiterbildung). Dabei werden Bildungswege aus der Perspektive institutioneller (Zeit‐)Strukturen und Übergangsregime sowie aus der Perspektive subjektiver Erfahrungen und individueller Handlungsmuster analysiert. Die empirischen Forschungen des Schwerpunkts werden gerahmt durch theoretische Analysen zur Konzeptualisierung von Bildungswegen und den darin eingeschriebenen Normen, Erwartungen und Chancenstrukturen (gesellschaftliche Teilhabe und Exklusion). Schließlich werden auch Fragen politischer Rahmenbedingungen (z. B. lifelong learning, Durchlässigkeit) und professioneller pädagogischer Begleitung von Bildungswegen (im Bereich der Frühen Hilfen, vorschulischer Bildung, der Schule, Hochschule, Aus‐ und Weiterbildung und Beratung) bearbeitet.

 

Bildungshorizonte

In diesem Forschungsschwerpunkt werden die grundlegungstheoretischen Implikationen des gesellschaftlichen Wandels für die Konstitution der Disziplin bearbeitet und somit ihr Horizont ausgemessen.

Ziel des Forschungsschwerpunkts ist es, die Möglichkeiten und Grenzen von Bildung sichtbar werden zu lassen. Insbesondere werden solche Grenzen und Möglichkeitsräume verstärkt in den Blick genommen, die mit gesellschaftlichen und sozioökonomischen Voraussetzungen von formaler Bildung sowie mit Fragen von Religion, Weltanschauung und Kultur zusammenhängen.
Ziel des Forschungsschwerpunkts ist es darüber hinaus, bestehende Horizonte zu überschreiten. So wird die Verbindung von systematischer und methodologischer Weiterentwicklung der Disziplin mit der Forschung in konkreten Anwendungsfeldern wie der LehrerInnenbildung, der Schul‐ und Curriculumforschung (hier in enger Kooperation mit dem Zentrum fürLehrerInnenbildung), der Erwachsenen‐ und Weiterbildung und der Bildung mit neuen Medien angestrebt. Dabei spielen insbesondere Querschnittsthemen eine Rolle, die geeignet sind, bestehende Horizonte miteinander zu verschmelzen und somit neue Horizonte zu öffnen.